Warum ich meinen Laptop mittlerweile hasse

(Dieser Text ist Teil einiger kleiner, unredigierter Texte zu meinen Erfahrungen in der Corona-Krise. Tippfehler bitte ich zu entschuldigen)

Mein Laptop und ich, das war mal was. Schon lange verbringen wir viel Zeit zusammen. Doch seit der Corona-Krise habe ich meinen Laptop hassen gelernt. Wenn ich morgens aufstehe klappe ich das Ding auf und spreche mit ihm. Andere Menschen sehe ich eigentlich nur noch über diesen Laptop. Während die Welt da draußen gefühlt zusammenbricht machen wir es uns digital gemütlich. Es herrscht dabei eine unfassbare Unzeitigkeit zwischen dem Digitalen und dem da draußen. Als hätten wir beide Sphären in Gänze entkoppelt. Je ungemütlicher es da draußen wird, umso gemütlicher machen wir es uns drinnen, im Internet.

Parallel dazu suhlen wir uns in einer Romantisierung des Digitalen. „Vielleicht liegt ja auch eine Chance in der Turbo-Corona-Digitalisierung“ schreiben viele. Doch das ist keine Chance. Diese Art der Digitalisierung ist einfach nur eine Entmenschlichung des Lebens. Da gibt es nichts zu romantisieren. So schön die täglichen Hauskonzerte von Igor Levit auch sind sie ersetzen nicht das wahrhaftige Erlebnis eines Klavierkonzertes. Die Überlegung was man anziehen soll. Die Aufregung, wenn man einen Konzertsaal betritt. Die Neugier auf die Blicke der anderen Zuschauer. Derzeit verbringe ich meine Tage damit auf Tasten zu drücken. Menschen sind daraufhin erschienen und wieder verschwunden. Eine effizientere Methode Menschen zu treffen hätte sich der Kapitalismus nicht einfallen lassen können. Doch wer sucht schon Effizienz im Zwischenmenschlichen?

Nach diesen Tagen vor meinem Laptop spüre ich eine nervöse Langeweile. Ich schlafe schlecht. Meine Konzentrationsfähigkeit gleicht der eines Hundewelpens. Während da draußen die Welt zusammenbricht spreche ich weiter in meinen Bildschirm. 

Wenn diese Krise zu Ende ist dann will ich meinen Laptop für einige Wochen zuklappen. Ich will Menschen fühlen, anlachen und mit ihnen streiten. Ich will aufgeregt auf ein Konzert gehen. Und auch wenn es mir sicher noch leid tun wird, aber ich will Menschen nicht mehr mit einem Mausklick verschwinden lassen können.

2 Comments

  1. Anna Sijbrandij

    Lieber Yannick, ich hoffe, Du pflegst die Quarantäne Treffen weiter! Denn ich bin froh, darüber weiter am Parteileben teilhaben zu können. Ich empfinde es ebenso wie Du mittlerweile als wertvoll und gleichzeitig unbefriedigend. Wie ein saftig aussehender Burger, der nach nichts schmeckt, dem Körper wenig gibt, außer einem faden Völlegefühl. Es macht satt und doch wieder nicht. Die Zeit verfliegt und doch fehlte die tiefe Emotion, der lebendige Streit oder Nähe. Mir fehlt vor allem der Augenkontakt. Doch nun heißt es durchzuhalten. Wir werden alle klüger aus der Krise hervorgehen. Und es gilt wichtige politische Weichen zu stellen und den Diskurs am Laufen zu halten. Ich freue mich schon, dich im nächsten Jahr wieder live bei der Demo am 8.März zu sehen! Da sah ich Dich nämlich dieses Jahr zuletzt. Alles Liebe und binäre Grüße von Bildschirm zu Bildschirm, Anna

  2. Dierk Juch

    Lieber Yannick, die Suche nach Deinem Beitrag im DF. vom 22.4. führte mich u.a. zu diesem „Text“ vom 25.4.. Beide vermitteln mir Deine emotionale Sicht der Dinge und Verhältnisse, die mir sehr vertraut ist. Das macht mir auch als Rentner Mut, mit meiner positiven Zukunfts-Hoffnung nicht alleine zu sein – trotz einer ähnlich kritischen Analyse der Verhältnisse. Das könnte auch unsere gemeinsame SPD-Mitgliedschaft betreffen. Und dann hab ich ja auch noch mein „jüngeres Brüderchen“ Harald in Berlin. Aber das wird als Kommentar zu Deinem Laptop-Essay zu umfangreich – oder absolut unpassend. – In diesem Sinne, solidarische Grüße, Dierk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.